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Türkiyemspor Berlin
Vereinsdaten
Gründung April 1978
Adresse/
Kontakt
Admiralstraße 37
10999 Berlin
1. Vorsitzender Ahmet Yesildağ
Geschäftsführer Ali Eltan
Sportlicher Leiter Fırat Tuncay
Mitglieder ca. 200-300
Vereinsfarben Blau-Weiß
Fußball-Abteilung
Spielklasse Fußball-Oberliga Nordost (Staffel Nord)
Spielstätte Katzbachstadion (5.000 Plätze, davon 1000 Sitzplätze, unüberdacht)
Chef-Trainer Thomas Herbst
Spielkleidung
Trikot linker Arm Trikot Brust Trikot rechter Arm
Trikot Hose
Trikot Stutzen
Erste Wahl
Trikot linker Arm Trikot Brust Trikot rechter Arm
Trikot Hose
Trikot Stutzen
Zweite Wahl
Vereinserfolge dreimaliger Gewinn des Paul-Rusch-Pokals (Berliner Landespokal)
Aufstieg in die Regionalliga (1994)
Saison 2004/05 11. Platz (Oberliga NO Staffel Nord)
Internet
Homepage www.tuerkiyemspor.info
e-mail Pressesprecher Thomas Miersal info_tuerkiyemspor@web.de
e-mail Türkei-Vertreter Harald Aumeier turkiyemspor_berlin@yahoo.de

Türkiyemspor Berlin ist ein 1978 als BFC Izmirspor gegründeter Berliner Fußballverein.

Geschichte Bearbeiten

Im ehemaligen Westberlin mit seinem besonderen politischen und sozialen Standpunkt entstand im sozialen Brennpunkt der eingemauerten Halbstadt ,- dem Bezirk Kreuzberg der Vorläufer des heutigen Türkiyemspor Berlins. Der Verein ging 1978 aus der losen Spielervereinigung "Kreuzberg Gençler Birliği" (Kreuzberger Junge Union) hervor, die sich bis dahin dem Hobbyfußball verschrieben hatte. Hier spielten hauptsächlich Migranten türkischer Herkunft miteinander Fußball ,- zumeist aus der türkischen Ägäis-Stadt Izmir stammende. Da keinerlei Erfahrungen mit der Führung eines solchen Vereins vorhanden waren, wurde zunächst in der bürokratisch weniger aufwendigen Freizeitliga mit dem Spielbetrieb begonnen. In der Saison 1983/84 änderte sich dies und man trat als BFC Izmirspor in der C-Klasse der Berliner Amateurliga an und wurde auf Anhieb Meister. Dies wiederholte man ein Jahr später in der B-Klasse, wie auch in den folgenden Jahren. Im Laufe des sportlichen Aufstiegs erspielte sich der Verein ein große Anhängerschaft, schon in den unteren Ligen fanden sich oft über 1.000 Zuschauer bei Spielen des Migrantenvereins ein. Im Januar 1987 wurde der Verein in "Türkiyemspor Berlin e.V." umbenannt, der Verein wollte mit der Umbenennung dem Umstand Rechnung tragen, dass schon längst nicht mehr nur Migranten aus Izmir und Umgebung dem Verein angehörten, sondern er sich längst zu einem Verein aller türkischen Migranten entwickelt hatte. Somit war auch für die Fans ein neuer Name geboren, von nun an wurde der Verein kurz "Türkiyem" (türk.: meine Türkei) genannt. Türkiyem schaffte weiter Jahr für Jahr einen Aufstieg - von der Kreisklasse C bis in die Fußball-Oberliga. Hier spielte Türkiyem zumeist vor mehreren tausend Zuschauern und entwickelte sich in West-Berlin neben Hertha BSC und Tennis Borussia Berlin zu der dritten sportlichen Kraft. Das Spitzenspiel gegen Hertha BSC in der Saison 1987/88 lockte gar über 12.000 Zuschauer in das Stadion. Türkiyem spielte gegen Ende der achtziger Jahre mehrmals um die West-Berliner Meisterschaft mit der Chance zum Aufstieg in die Zweite Fußballbundesliga . 1994 erreichte Türkiyemspor den Aufstieg in die neu eingeführte Regionalliga, schaffte es aber nicht, die Klasse zu halten und stieg 1995 in die Oberliga ab und drei Jahre später in die Berliner Verbandsliga. In der Saison 1999/2000 wurde Türkiyemspor souveräner Meister der Berliner Verbandsliga (144:31 Tore 97 Punkte) und spielt seitdem in der NOFV-Oberliga Staffel Nord.

Wahrnehmung des Vereins Bearbeiten

Türkiyemspor ist der bekannteste Migrantenverein der Bundesrepublik und wurde aufgrund seines sportlichen Erfolgs Aushängeschild der türkischen Gemeinschaft Berlins und des multikulturellen Bezirks Kreuzberg. FC Bayern München, Trabzonspor und Fenerbahce Istanbul sind nur einige Vereine, die der Einladung des Vereins Türkiyemspor Berlin nach Berlin folgten um Freundschaftsspiele auszutragen. Heute gibt es Vereine die Türkiyemspor im Namen führen in verschiedenen Städten und Ländern wie Mönchengladbach, Wuppertal, Breuberg, Amsterdam, Australien und den USA. Gerade in der Phase des sportlichen Erfolges war Türkiyemspor nicht nur für türkischstämmige Migranten eine positive Identikationsfigur. Denn Türkiyemspor bewies den Arbeitsmigranten, dass sie unter gleichen Bedingungen auch Erfolge feiern können und sich hinter der Mehrheitsgesellschaft nicht verstecken zu brauchen. Der Erfolg fand auch seinen Niederschlag in der Berichterstattung der Medien. Journalisten und Forscher aus der ganzen Welt beschäftigten sich mit dem Phänomen Türkiyemspor. Doch der Erfolg und die öffentliche Wahrnehmung eines Migrantenvereins brachte nicht nur Freunde mit sich, so sahen sich Spieler, Funktionäre und Fans von Türkiyemspor des Öfteren massiven rechtsextremen Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt. Einige dieser Angriffe sind unter anderem in der Ausstellung "Tatort-Stadion" dokumentiert worden. Die rechtsextreme und verbotene Band "Landser" verfasste ein Schmählied gegen den Verein.

Der Fall Piotr Podkowik und die "LEX-Türkiyem" Bearbeiten

In der Oberliga-Saison 1990/91 spielte Türkiyemspor erneut um den Aufstieg in den Profi-Fußball. Ein Sportgerichtsurteil des Berliner Fußballverbandes sollte letztendlich Türkiyemspor zum Verhängniss werden. Der Spieler Piotr Podkowik wechselte 1990 zu Türkiyem, eine Freigabe des Berliner Fußballverbandes lag vor. Das sportliche Verbandsgericht, entschied jedoch später auf Antrag des ehemaligen Vereins des Spielers, das die Freigabe zu Unrecht erteilt worden sei. Der Spieler selbst, war nun aber schon sieben mal für Türkiyem angetreten und mit Türkiyemspor zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer der Oberliga. Das Verbandsgericht entschied, dass Türkiyem drei Spiele wiederholen müsste. Die Nachholspiele fanden im März und April 1991 statt. Türkiyemspor gewann die Spiele erneut und erkämpfte sich die Tabellenspitze zurück. Das Team musste jedoch der sportlichen Doppelbelastung Tribut zollen und konnte die nächsten beiden regulären Spiele nicht gewinnen. So kam es am 1. Mai 1991 zum Duell des Tabellenführers Türkiyem gegen den Tabellenzweiten Tennis Borussia Berlin. Ein Unentschieden hätte den Aufstieg in die Zweite Fußballbundesliga bedeutet. Vor über 8.000 Zuschauern, im Kreuzberger Katzbachstadion, ließ ein 0:5 die Aufstiegsträume zerplatzen. Diese Niederlage und der verpasste Aufstieg stellten den schwärzesten Tag in der Geschichte des Vereins dar. Von nun ab stellten sich die sportlichen Erfolge nicht mehr von Jahr zu Jahr regelmäßig bei Türkiyemspor ein. Dabei hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit der "LEX-Türkiyem" alle rechtlichen Voraussetzungen für einen Aufstieg des Migrantenvereins geschaffen. Längst waren zwar nicht mehr nur türkischstämmige Spieler im Aufgebot (bei Türkiyem spielte zu der Zeit auch deutsche, griechische, jugoslawische und englische Sportler), doch waren weiterhin die meisten keine deutschen Staatsangehörigen. Damit Türkiyemspor auch in der zweiten Liga antreten hätte können und nicht aufgrund der geltenden Ausländerregelung auf einen großen Teil des Teams verzichten hätte müssen, wurde vom DFB der rechtliche Begriff des Fußballdeutschen eingeführt. Somit wurden nicht-deutsche Staatsangehörige, die mehrere Jahre ununterbrochen im deutschen Jugendfußball aktiv gemeldet waren, rechtlich zu gleichberechtigten Fußballdeutschen.

Vorstand und Präsidenten Bearbeiten

Der Verein lebte und lebt zumeist von der Unterstützung türkischstämmiger Geschäftsleute und Arbeiter der ersten Migrantengeneration. Der erste eingetragene Vorstand des Vereins setzte sich aus Hüseyin Kazanan, Soner Aytaç, Resat Yığıt, Ali Tun, Cemil Özyeşilova und Ziya Bulduk zusammen. Als Präsidenten waren für Türkiyemspor u.a. tätig:

  • Talip Taş
  • Mehmet Aygün
  • Sırrı Alkan
  • Ahmet Avar
  • Ahmet Erbaş
  • Enver Ertan
  • Şenol Akkaya
  • Kadir Aslan
  • Ahmet Yeşildağ

Seit Juni 2005 ist die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Frau Cornelia Reinauer Mitglied des Vereins.

Trainer Bearbeiten

Die bekanntesten Trainer des Vereins waren:

Spielerpersönlichkeiten Bearbeiten

In der Geschichte des Vereins schafften mehrere Spieler Türkiyemspors den Sprung in eine Profimannschaft. Über vierzig Spieler fanden den Weg zu Vereinen in die 1. und 2. türkische Fußballiga (Süper Lig). Darunter: Bego Catic, Mehmet Öztürk, Vedat Beyazıt, Ergün Pinarbası und Hüseyin Gül.

Der wohl bekannteste Ex-Spieler des Vereins ist Ümit Karan der den Weg über Türkiyemspor bis hin zu Galatasaray Istanbul schaffte und auch für die türkische Fußballnationalmannschaft antrat. Mit dem Goalgetter Michael Fuß, der türkischsprechend den türkischen Namen Mert annahm, stellte Türkiyemspor den Torschützenkönig der Verbandsliga-Saison 1999/2000 - mit 66 Toren in 34 Spielen brach Fuß den Verbandsligarekord.

Fans Bearbeiten

Die Fans des Vereins setzten sich aus türkischstämmigen Fußballanhängern und Bewohnern der multikulturellen Bezirke Kreuzberg und Neukölln zusammen. Während Türkiyemspor in den achtziger Jahren und den frühen neunziger Jahren regelmäßig von mehreren tausend Zuschauern begleitet wurde, finden sich seit dem verpassten Aufstieg von 1991 jedoch nur noch selten mehr als tausend Zuschauer im Heimstadion des Vereins ein. Die Fans des Vereins brachten sich regelmäßig aktiv im Verein ein, so wurde jahrelang die Fanzeitung "Victory" herausgegeben, teilweise zeigten sich Fans auch für die Herausgabe der Stadionzeitung verantwortlich. Organisation von Festivals, Bällen und Feiern sind ein weiterers Aktionsfeld von Türkiyemfans.

Jugend und soziales Engagement Bearbeiten

Türkiyemspor bietet heute von der A- bis zur F-Jugend viele Möglichkeiten zur fußballerischen Betätigung von Kindern und Jugendlichen an und unterhält seit 2004 auch eine Mädchenabteilung. Für die gute Jugendarbeit wird Türkiyemspor regelmäßig von verschiedenen Stellen ausgezeichnet. Neben den Jugendteams und der Oberligamannschaft unterhält der Verein eine 2. Herren und zwei Senioren-Teams. Der Verein beteiligt sich regelmäßig an sozialen Projekten über den Sport hinaus, wie z.B.: den friedlichen Feiern zu einem 1. Mai in Kreuzberg in Zusammenarbeit mit verschiedenen freien Trägern oder dem Projekt "SOJA", in dem Jugendliche zu sportlicher Betätigung animiert werden sollen ohne sich gleich Vereinen anschliessen zu müssen. Türkiyemspor unterhält Kooperationen zu Kindertagesstätten und Schulen in Kreuzberg. Türkiyemspor unterstützt die Kampagne "Nein zu Gewalt an Frauen" anläßlich des gleichnamigen internationalen Aktionstages am 25.11. jeden Jahres.

Erfolge Bearbeiten

Von 1989 bis 1991 konnte Türkiyemspor den Berliner Landespokal (Paul-Rusch-Pokal) gewinnen und stand weitere vier Mal im Finale. 1991 nahm der Verein an den Gruppenspielen der Gruppe Nord um die deutsche Amateurmeisterschaft teil, und wurde hinter den Amateuren von Werder Bremen und vor ASC Schöppingen und Alemannia Aachen Gruppenzweiter und qualifizierte sich somit erneut für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals. Drei mal nahm man am DFB-Pokal teil und zog 1991 erstmals, nach einem Sieg gegen den damaligen Berliner Zweitligisten Blau-Weiß 90 in die zweite Runde ein. In der Saison 1999/2000 wurde Türkiyemspor souveräner Meister der Berliner Verbandsliga mit 144:31 Toren und 97 Punkten und damit Berliner Meister.

Türkiyemspors Ergebnisse im DFB-Pokal

1. Runde DFB-Pokal 1988/1989 Türkiyemspor Berlin : FC Emmendingen    0:2
1. Runde DFB-Pokal 1990/1991 Türkiyemspor Berlin : 1. FC Saarbrücken   2:6
1. Runde DFB-Pokal 1991/1992 Türkiyemspor Berlin : Blau-Weiß 90 Berlin 2:1
2. Runde DFB-Pokal 1991/1992 Türkiyemspor Berlin : Stuttgarter Kickers   0:4
Endspielteilnahmen von Türkiyemspor im Berliner Stadtpokal "Paul-Rusch": 

1987/88 Türkiyemspor  - BFC Preussen  2 - 1  n.V. 
1988/89 FC Hertha 03 Zehlendorf  - Türkiyemspor 2 - 0 
1989/90 FC Hertha 03 Zehlendorf  - Türkiyemspor 1 - 2 
1990/91 Türkiyemspor  - NSC Marathon 02  3 - 0 
1992/93 Tennis Borussia - Türkiyemspor Berlin 2 - 0 n.V. 
1994/95 Türkiyemspor Berlin  - Tennis Borussia  0 - 5 
2000/01 SV Yesilyurt 73  - Türkiyemspor Berlin  2 - 1

Weblinks Bearbeiten

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