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Der Volkspark Friedrichshain, benannt nach Friedrich II von Preußen, mit heute etwa 52 Hektar Fläche, liegt im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin. Im Jahr 1848 gegründet, war er die erste, für alle Stände offene, Parkanlage Berlins. Heute übt der Volkspark Friedrichshain durch seine Weitläufigkeit und seine vielfältigen Freizeit- und Sportangebote eine große Anziehungskraft auf viele Berliner aus. Durch seine schön gestalteten Parkanlagen und seine zahlreichen Denkmale zieht er aber auch Touristen aus aller Welt an


Vorgeschichte Bearbeiten

Die Idee zur ersten, `allen Ständen zugänglichen´ Parkanlage Berlins vor dem Landsberger Tor (während der früher angelegte Grosse Tiergarten zu dieser Zeit ausschließlich dem König und dem Adel vorbehalten war ) wurde durch den Berliner Oberbürgermeister Gottfried Büsching (1761 – 1833) im Jahr 1823 in die Stadtverordnetenversammlung von Berlin eingebracht. Er antwortete damit auf die in der Königsstadt, ein vom Stadtzentrum nach Nordosten bis an die damalige Stadtmauer reichender Bezirk Berlins, seit 1800 stark gestiegene Zahl an Einwohnern. Die Menschen in diesem übervölkerten Stadtteil suchten Ruhe und Erholung, welche sie vor allem in den zahlreichen, vor der Stadtmauer liegenden Friedhöfen fanden, Den besseren Schutz derselben nahm Büsching in seine Begründung für die Schaffung des Parks auf. Weit wichtigere Gründe für ihn aber waren – und darin zeigt er sich als Kind des erstarkten Bürgertums – die Notwendigkeit, den Menschen der Königsstadt vermehrt Gelegenheit zu geben zu Bewegung, zum Genuss des Freien, zur geselligen Unterhaltung und zur Erholung von den täglichen Geschäften.

Was sich im ersten Anlauf nicht durchsetzen ließ, wurde 17 Jahre später von Peter Joseph Lenné´aufgegriffen und in seinen Stadtentwicklungsplan von 1840 aufgenommen. Seine Vorlage führte zum Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 29.5.1840, mit dem sie der Errichtung des Friedrichshain grünes Licht gab.

Jedoch, bis zur Ausschreibung des Wettbewerbes um die Gestaltung des Volksparks auf einer Fläche von etwa 37,5 ha vergingen weitere 5 Jahre. So lange dauerte der Erwerb der für den Park notwendigen Grundflächen vor der Akzisemauer, zwischen Königstor und Landsberger Tor.

Im Jahr 1845 wurde schließlich der Wettbewerb ausgeschrieben, welcher von Johann Heinrich Gustav Meyer, einem Schüler Lennés, gewonnen wurde.


Bedeutung des Friedrichshain Bearbeiten

Der Volkspark Friedrichshain spiegelt wie kein anderer Park Berlins die wechselhafte, teilweise tragische, Geschichte Berlins wieder. In den mehr als 160 Jahren seines Bestehens erfuhr der Volkspark mehrere Umgestaltungen, von denen einige sehr tiefgreifend waren. Die im Laufe der Jahre zwischen 1848 und 2010 sich verändernden gesellschaftlichen Auffassungen hatten nicht nur zur Formulierung neuen Nutzungsanforderungen geführt, sondern auch entsprechende Anpassungen und Umgestaltungen des Friedrichshain nach sich gezogen.

Sowohl das Zustandekommen des Parks selbst wie die Anforderungen an seine Gestaltung und Ausstattung sind Ausdruck eines erstarkten und selbstbewussten Bürgertums. In ihrer Wettbewerbsausschreibung von 1845 orientierte sich die Stadtverordnetenversammlung von Berlin an den Gestaltungszielen der Volksbildung und der Ergötzung der Besucher. Daraus abgeleitet ergaben sich als wesentliche Anforderungen an die Gartenarchitekten die Mannigfaltigkeit der Gartengestaltung und der Bepflanzung (Plätze, Rondelle, Plattformen, Wege, Aussichten). Die zweite Forderung nach gleichzeitiger Aufnahme von zahlreichem Publikum wiederum setzte Meyer in der Weise um, dass er breite Wege anlegen ließ und viele kleine, voneinander getrennte Wiesen schuf, welche die gezielte Verteilung auch größerer Massen und deren verhältnismäßig ungestörten Aufenthalt möglich machten.

20 Jahre nach seiner Eröffnung (1868), als dem Park im Nordosten für die Errichtung des `Krankenhaus im Friedrichshain´ eine große Fläche genommen und zur Kompensation der Neue Hain im Norden errichtet wurde, hatten sich die Gestaltungsziele bereits verändert. Weil der Idee der Körperertüchtigung, vor allem für die männliche Jugend, durch die Gesellschaft eine hohe Bedeutung zugemessen wurde, erhielt der Neue Hain zahlreiche Einrichtungen für die sportliche Betätigung.

Die Umgestaltung des Eingangsbereichs auf der Seite des Königstors im Jahr 1911 wiederum weist auf eine veränderte Rolle des Kindes in der Gesellschaft. Mit dem Märchenbrunnen von Ludwig Hoffmann sollten vor allem deren kleinste Mitglieder erfreut und gebildet werden.

Die radikalste Veränderung jedoch erfuhr der Park 95 Jahre nach seiner Gründung, als die verheerenden Bombardements während der beiden letzten Jahre des II. Weltkriegs ihn nahezu vollständig verwüsteten. Die nachfolgende Neugestaltung ab 1947 hat vom ursprünglichen Plan Gustav Meyers nur die groben Umrisse erhalten. Die Aufschüttung zweier Trümmerberge, die veränderte Wegführung und die neue Art der Bepflanzung veränderten sein Gesicht vollständig.

In den Jahren 1945 bis 1989 ordnete die DDR-Staatsführung zahlreiche Eingriffe in den Park an. In ihrem Kern dienten diese Umgestaltungen, die zahlreichen Denkmale und Skulpturen dazu, der kommunistischen Ideologie des Regimes sichtbaren Ausdruck zu verleihen. Und mit den ständigen Festakten und Demonstration im Park, sollten sowohl die in den Quartieren rings um den Park wohnende Bevölkerung wie die Besucher aus aller Welt beeindruckt werden.


Der Volkspark Friedrichshain heute Bearbeiten

Nach dem Fall der Mauer gingen die Regierung von Berlin und der Bezirk Friedrichshain schnell und zielgerichtet daran, den Park wieder herzurichten und verschiedene seiner Einrichtungen grundlegend zu sanieren.

Volkspark Berlin Friedrichshain Grosser Teich

Der Grosse See im Volkspark Friedrichshain (Foto von Manfred Brückels, 2009 [1])

Heute lockt der Volkspark mit seinen ca. 52 ha Fläche wieder zahlreiche Besucher an. Familien mit ihren Kindern aus den umliegenden Wohnquartieren, welche die zahlreichen Spielplätze nutzen können. Jugendliche die sich auf den vielen Spiel- und Liegewiesen, Sport- und Freitzeitanlagen (Plätze für Basketball, Fußball und Beach-Volleyball, Half-Pipe, Rodelbahn, Kletterfelsen, Rundkurs für Inline-Skater und eine separate Strecke für Jogger) betätigen können. Der Spaziergänger wiederum findet in den entlegenen Bereichen des Parks durchaus seine Ruhe und Erholung. Und auch der politisch Interessierte kann in einem etwa zwei Stunden dauernden Spaziergang jene zahlreichen Denkmale, Bauten und Skulpturen passieren, welche ihn die Geschichte des Parks und seiner ideologischen Vereinnahmung erleben lassen. Auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz. Nicht nur liegen zahlreiche Restaurants rings um den Friedrichshain. Seit der Umgestaltung in den Jahren 1969-1973 bietet er auch innerhalb seiner Grenzen zwei Restaurants.


Chronologie des Parks Bearbeiten

Das Umfeld im Jahr 1848Bearbeiten

Ein Berliner Bürger aus der Königsstadt, der 1848 zu Fuß zur Eröffnung des Volksparks Friedrichshain gegangen ist, konnte folgenden Weg nehmen:


Die Zeit vor der Eröffnung Bearbeiten

1823: Gottfried Büsching bringt die Idee für einen Volkspark in die Stadtverordnetenversammlung ein

1840: Aufnahme in den Stadtentwicklungsplan durch Lenné

1840: Beschluß der Stadtverordnetenversammlung von Berlin, den Volkspark zu errichten

1840-1845: Ankauf der Grundstücke

1845: Wettbewerb, der von Gustav Meyer gewonnen wird

1846 - 1848: Planung und Errichtung des Volksparks nach Plänen von Gustav Meyer; die gärtnerische Gestaltung lag in den Händen von Stadtgärtner Adolf Patzig


Von der Einweihung bis zum Jahr 1900 Bearbeiten

18./19.3.1848: Während der Märzrevolution in Berlin werden 183 Zivilisten auf den Barrikaden getötet

20.3.1848: Der Stadtrat beschließt die Einrichtung des `Friedhof der Märzgefallenen´ auf dem Lindenberg (welcher innerhalb der Grenzen des Volksparks liegt)

21.3.1848: Die Gefallenen der Märzunruhen werden beerdigt (dafür wird eine der beiden Mühlen auf dem Lindenberg abgerissen)

Mai 1848: Feierliche Eröffnung des Volksparks Friedrichshain

1846: Vergrößerung des Volksparks um 5,5 ha

1868-1874: Errichtung des Allgemeinen Krankenhaus im Friedrichshain; die dafür notwendige Grundfläche wurde dem Volkspark genommen

1874-1875: Zum Ausgleich erfolgt die Erweiterung des Volksparks nach Osten um den `Neuen Hain´, wieder nach Plänen von Gustav Meyer, welcher inzwischen Gartenbaudirektor von Berlin war.


Von der Jahrhundertwende bis zum Ende des II. Weltkriees Bearbeiten

Seit 1850 hatte sich der ländliche Charakter der nördlichen Parkumgebung vollständig geändert. Im Rahmen der Ausdehnung der Stadt war die Akzisemauer abgerissen worden und im Zuge der Industrialisierung hatten sich hier Brauereien und andere Industriebetriebe angesiedelt. Die neuen Bezirke von Berlin, Friedrichshain (mit Bötzow-Viertel) und Prenzlauer Berg hatten sich zu dicht bevölkerten Wohnquartieren entwickelt. Nach 1900 war der Volkspark als eine der wenigen größeren Grünflächen dieser Gegend übriggeblieben.

1901-1913: Planung und Errichtung des Märchenbrunnens nach dem Entwurf von Ludwig Hoffmann;

1918: 21 Gefallene der Novemberrevolution werden auf dem Friedhof der Märzgefallenen beerdigt

1940-1943: Bau der beiden Flaktürme, welche den Charakter des Parks grundlegend verändern

1942-1945: Verheerenede Luftangriffe auf Flaktürme, Park und die umliegenden Quartiere


Nach dem II. Weltkrieg bis zum Mauerfall Bearbeiten

Die verheerenden Bombardements der letzten Kriegsjahre hatten den Park vollständig verwüstet, seine Einrichtungen und seinen alten Baumbestand fast vollständig vernichtet. Im Zuge seines Wiederaufbaus wurden die Trümmer aus den umliegenden Quartieren über den beiden Flaktürmen zu zwei Hügeln angehäuft und mit Erde aufgeschüttet. Diese Hügel, die dadurch neue Wegführung und die Art der Bepflanzung änderten den Charakter des Parks. In den Folgejahren nutzte die DDR-Staatsführung, sowohl durch die Errichtung von Denkmalen wie die Durchführung von Festakten und Demonstationen, immer wieder zu Propagandazwecken.

1946: Der zweifache Versuch der russischen Armee, die Flaktürme zu sprengen, schlägt fehl

1949-1951: Aufschüttung des Kriegsschutts aus den umliegenden Quartieren über den beiden Flaktürmen zu zwei Trümmerbergen: (Mont Klamott/78 m (ca. 2,1 Mio. Kubikmeter Schutt); kleiner Bunkerberg 67 m; Parkplanung und Wiederbegrünung durch Reinhold Lingner

1948: Errichtung des Gedenkstein mit den Namen der Märzgefallenen

1949-1951: Freiluft-Schwimmstadion im Neuen Hain (1952 umbenannt in Karl Friedrich Friesen Stadion)

1950: Freilichtbühne im Neuen Hain errichtet

1968: Errichtung der Gedenkstätte der Interbrigadisten

1969-1973: Umgestaltung des Parks, Errichtung von Restaurantbauten und Spielplätzen

1972: Denkmal des polnischen Soldaten und der deutschen antifaschistischen Kämpfer im II. Weltkrieg errichtet

1981: Das Sport- und Freizeitzentrum (SEZ) wird im Osten des Neuen Hains eröffnet


Nach dem Fall der Mauer bis heute Bearbeiten

Nach der Wende ging es den für den Park Verantwortlichen vor allem darum, sowohl alle in desolatem Zustand befindlichen Einrichtungen wiederherzustellen, die historisch wertvolle Substanz zu erneuern oder alte Denkmale wieder in den Park einzubinden.

1989: Friedensglocke der japanischen `World Peace Bell Association´ am Grossen See errichtet

1995-2004: Umfassende Neugestaltung des Parks mit der Wiedereinrichtung des `Neuen Hain´

1999: Abriss des Karl Friesen Stadion

2000: Verschollenes Denkmal Friedrich II (Büste nach Christian Daniel Rauch) wieder aufgestellt

2007: Komplettrestaurierung des Märchenbrunnens abgeschlossen


Literatur Bearbeiten

  • Hennebo, Dieter: Berlin - Hundert Jahre Gartenbauverwaltung, Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg, in: Das Gartenamt (Sonderdruck), Heft 6, 1970
  • Kuhbier, Anke: Berlin Grün, Historische Gärten und Parks der Stadt, Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.), L- & H-Verlag, Hamburg 2000
  • Partner für Berlin - Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing GmbH (Hrsg.): Das grüne Berlin erholen, besichtigen, erleben, Berlin 2001
  • Schmiedecke, Ralf: Berlin-Friedrichshain - Die Reihe Archivbilder; Sutton Verlag, Erfurt; ISBN 3-86680-038X
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz (Hrsg.): Grüne Rundfahrt, Gärten in der Stadthistorie, Südroute, Berlin 1985
  • Technische Universität Berlin (Hrsg.): Erwin Barth, Gärten - Parks - Friedhöfe, Katalog zur Ausstellung, Berlin 1980
  • Weißpflug, Hainer: Berliner Denkmale der Natur, Luisenstädtischer Bildungsverein, Berlin 1997
  • Wimmer, Clemens Alexander: Parks und Gärten in Berlin und Potsdam; Edition des Senators für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Abt. III – Gartendenkmalpflege; Nicolaische Verlagsbuchhandlung: Berlin; ISBN 3-87584-267-7; S. 142-145


Weblinks Bearbeiten

  • WikipediaCommons: Volkspark Friedrichshain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien [2]
  • Gedenkstätte für die Interbrigadisten im Spanischen Bürgerkrieg [3]
  • Denkmal des polnischen Soldaten und deutschen Antifaschisten im Zweiten Weltkrieg [4]
  • Geschichte der Berliner Flaktürme [5]
  • Einstieg in die Ruine des Flakturm Friedrichshain [6]
  • Berliner Friedensglocke [7]
  • virtual museum of dead places: ehemaliges Karl-Friedrich-Friesen-Stadion [8]


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